Impulse Singapur

Nila kann schreiben lernen

Das ist für manch einen bedrückend, insbesondere, wenn man aus dem sauberen und wohlhabenden Singapur kommt. Viele haben den spontanen Impuls helfen zu wollen, aber wie macht man das richtig? Einer Gruppe Deutscher ist es genauso gegangen. Sie haben gehandelt und im letzten Jahr eine Hilfsorganisation gegründet.

NILA e.V.Die Idee, Kindern in Asien Hilfe zukommen zu lassen, entstand im Jahr 1997/98 in Singapur. Hier lernten sich sieben der jetzigen zehn aktiven Vereinsmitglieder kennen. Alexander Herz absolvierte damals ein Praktikum bei der Auslandshandelskammer im German Center in Jurong East. Von der Neugier angetrieben, bereiste er gemeinsam mit seinen neuen Freunden Südostasien. Die vom Buddhismus geprägten Länder hatten für Alexander Herz einen besonderen Reiz. Die Freunde trafen auf hilfsbereite und gastfreundliche Menschen und waren überrascht, wie sich die Freundlichkeit in den zum Teil sehr armen Ländern äußerte. "Die Herzlichkeit der Menschen haben wir in vielen Begegnungen erlebt", erinnert sich Alexander Herz, "wenn sich Menschen spontan als Fremdenführer angeboten haben oder wir von Familien nach Hause eingeladen wurden. Bei Kindern haben wir diese Offenheit ganz besonders erlebt".

Nach der Rückkehr nach Deutschland stand für alle erst einmal der Abschluss des Studiums und der Eintritt in das Berufsleben im Vordergrund. Aber die Liebe und die Verbindung zu Südostasien blieb bestehen. Regelmäßig sind die Freunde dorthin zurück gekehrt. Auf einer dieser Reisen entstand der Kontakt zu zwei Waisenhäusern in Myanmar. Allerdings reichten die privaten Mittel nicht aus, um zielorientiert zu helfen. Aus einer kleinen Idee wurde deswegen im November 2009 Realität. Der Verein NILA e.V. wurde gegründet. Ein kleines Stück Hoffnung – das wollen die Vereinsgründer mit ihrer Hilfsorganisation schaffen.

NILA e.V.-Friends of Children in Asia, mit Sitz in Berlin, ist ein Gemeinnütziger Verein, der keine eigenwirtschaftlichen, politischen oder religiösen Ziele verfolgt. Alle zehn aktiven Vereinsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und reisen mehrmals jährlich auf eigene Kosten nach Südostasien, um sich einen Überblick vor Ort zu verschaffen. Die letzte Reise liegt noch nicht lange zurück. Mitte Oktober war Alexander Herz gerade wieder in Myanmar. Er besuchte dort die Waisenhäuser und besprach mit den einheimischen Managern neue Projekte. Dieser enge Kontakt ist für den Verein wichtig, um das Vertrauen der hilfsbedürftigen Menschen in Südostasien aufrecht zu erhalten.

Während der Gründungsphase in Deutschland gab es viele Hürden zu bewältigen, wie zum Beispiel einen Vereinseintrag oder die Eröffnung von Bankkonten. Die hohe Motivation und der starke Wille etwas zu bewegen und es nicht nur bei einer Idee zu belassen, haben die Mitglieder dabei vorangetrieben. "Die Frage der Namensgebung war eine der längsten Diskussionen. Ich glaube, wir haben über mehrere Wochen 20-30 Namen rauf und runter diskutiert", erinnert sich Alexander Herz. Der Name des Vereins "NILA" ist ein beliebter Mädchenname in Südostasien und bedeutet Saphir oder Edelstein. "NILA" steht stellvertretend für alle Waisenkinder, die der Verein unterstützt.

NILA e.V.Der Verein verfolgt das Ziel, die Lebensbedingungen von Kindern in Südostasien zu verbessern. Neben der Grundversorgung eines Waisenkindes ist die Voraussetzung zum Wohlstand ein guter Schulunterricht. Somit umfassen die Projekte des Vereins die Unterbringung, Ernährung sowie eine medizinische Basisversorgung, als auch das notwendige Schulgeld und Bücher für den Unterricht.

Der Verein betreut und unterstützt nicht nur den Bau von Schulen und von Waisenhäusern, sondern es werden auch bereits bestehende Einrichtungen ausgebaut und erneuert. Die Kosten für den Aufenthalt eines Kindes in einem Waisenhaus, inklusive Gesundheitsvorsorge und Schulgebühren, betragen im Durchschnitt 20€ im Monat. Allerdings werden keine Patenschaften angeboten, da der Verein die Meinung vertritt, dass dies zu Ungleichbehandlung der Kinder führt, die keinen Paten haben. Allen Mitgliedern ist eine gerechte Verteilung der finanziellen Mittel wichtig und das diese dort eingesetzt werden, wo sie am dringendsten benötigt werden.

Für Alexander Herz war eine eigene Vereinsgründung wichtig, da es seiner Meinung nach in einer kleinen Organisation einfacher ist, eigene Ideen konkret umzusetzen oder Projekte zu definieren. Er möchte dabei aber die Arbeit von NILA e.V. nicht mit der Arbeit einer größeren Organisation vergleichen, da er beide Arten der Hilfe für notwendig hält. Er selbst adoptierte zusätzlich bei einem großen Hilfsverein ein Patenkind in Kambodscha.

Bereits im ersten halben Jahr nach der Gründung verwirklichte der Verein drei Projekte in Myanmar. Neben dem Bau einer Grundschule, wurde eine Trinkwasseranlage installiert und ein Waisenhaus ausgebaut und erweitert. Momentan werden vier Waisenhäuser in der Umgebung des Inle Lake, Myanmar, gefördert. Insgesamt beherbergen sie 520 Kinder. In enger Zusammenarbeit mit den Waisenhäusern definierte und realisierte der Verein die Projekte. Es wurde beispielsweise eine neue Grundschule benötigt, da die Bestehende an ihre Kapazitätsgrenzen gelangte. Aufgrund der finanziellen Lage der Menschen konnte das Vorhaben zunächst nicht weiter verfolgt werden. Aber durch die Unterstützung von NILA e.V. war es möglich, das Projekt wieder aufzunehmen. So besuchen derzeit 50 Kinder den Unterricht an der neuen Schule. Bis 2012 wird die Anzahl auf 80 Kinder steigen.

Hilfsorganisation Nila e.V.Daneben unterstützt NILA e.V. den Anbau einer Küche und eines Speiseraumes für ein weiteres Waisenhaus. Gemeinsam mit dem Verein "Entwicklungsländer e.V." arbeitet man in diesem Ort noch an einem weiteren Projekt. Ein anderes Waisenhaus benötigt eine neue Trinkwasseranlage. Da der Brunnen im Dezember 2009 versiegte, soll das Waisenhaus zukünftig mit dem Wasser aus einem nahegelegenen kleinen Bergsee versorgt werden. Dieser wurde eigens für dieses Projekt gekauft, nun werden ein Staudamm und der Bau einer Wasserleitung finanziert.

Neben diesen Aufbauprojekten möchte NILA e.V. in den kommenden Jahren auch qualifizierten Zusatzunterricht beziehungsweise Nachhilfeunterricht außerhalb der Schule geben. Die Ausstattung der Waisenhäuser mit Lehrern und der Inhalt des Unterrichts sind in den meisten Fächern zwar gut, jedoch gibt es nur eine geringe Anzahl an qualifizierten Englischlehrern. Ferner möchte NILA e.V. auch Projekte in Kambodscha und Laos umsetzen.

Auch der Austausch mit anderen Hilfsorganisationen ist für NILA e.V. sehr wichtig. So wurde der Kontakt zu einer Hilfsorganisation aufgenommen, die in Myanmar sehr stark im Bereich der medizinischen Versorgung engagiert ist. Es wurden Ideen und Erfahrungen ausgetauscht, so dass letztendlich ein gemeinsames Projekt realisiert werden konnte.

Alle diese Projekte werden mit Hilfe von Spenden finanziert. Die Mitglieder achten dabei genauestens auf eine faire und zielorientierte Verteilung. Bei der Auswahl der Waisenhäuser ist es dem Verein wichtig, dass die Waisenhausführung absolut vertrauenswürdig ist. "Wir erhalten von den Waisenhäusern monatliche Finanzberichte, untergliedert nach Einnahmen und Ausgaben.", berichtet Alexander Herz. Der Verein ist über jeden Euro dankbar, den sie Südostasien zu Gute kommen lassen können. "Wer einmal in den Ländern außerhalb der westlichen Wohlstandssphäre gereist ist, wird wissen, wie viel bereits mit kleinen Beiträgen erreicht werden kann.", betonte Alexander Herz.

Die Spenden und die Mitgliedsbeiträge kommen zu 100% den Kindern in Südostasien zugute. Neben Spenden ist der Verein über kreative Ideen und vor allem Kontakte zu anderen Hilfsorganisationen dankbar. Auch Menschen, die sich vor Ort engagieren wollen, sind herzlich willkommen. Ein gutes und weites Netzwerk hat eine große Bedeutung für NILA e.V., damit Nila aus Myanmar schreiben lernen und in eine bessere Zukunft blicken kann.

Informationen über die Organisation finden Sie unter www.NILA-ev.de
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